Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Büchel: Starker Auftakt

Einen star­ken Auf­takt für die dies­jäh­ri­gen Som­mer­ak­tio­nen in Büchel lie­fer­ten gleich sieb­zehn Friedensstreiter*innen, die sich am 30. April 2019 unter den Augen von Bun­des­wehr­sol­da­ten Zutritt zum Gelän­de des Mili­tär­ge­län­des ver­schaff­ten. Die zwi­schen 22 und 76 Jah­re alten Demonstrant*innen brach­ten Schil­der mit der Auf­schrift »Zivi­ler Sicher­heits­be­reich! Betre­ten erwünscht. Kein Atom­waf­fen­ge­brauch! Die Zivil­ge­sell­schaft« am Zaun an. Die Schil­der par­odier­ten die offi­zi­el­len, von der Bun­des­wehr ange­brach­ten Warn­hin­wei­se. Die Grup­pe der Büchel17 hat­te sich aus dem gesam­ten Bun­des­ge­biet zusammengefunden.

In Büchel trai­nie­ren deut­sche Sol­da­ten (nur Män­ner?) täg­lich mit ihren Tor­na­do-Flug­zeu­gen den Abwurf der etwa 20 US-ame­ri­ka­ni­schen Atom­bom­ben, die im Fal­le eines NATO-Ein­satz­be­fehls von deut­schen Soldat*innen völ­ker­rechts­wid­rig in ihr Ziel­ge­biet geflo­gen und gezün­det wer­den sol­len. Bereits die Dro­hung mit Atom­waf­fen wider­spricht gemäß dem Rechts­gut­ach­ten des Inter­na­tio­na­len Gerichts­hofs in Den Haag vom 8. Juli 1996 dem Völ­ker­recht. Deutsch­land ist Par­tei des Ver­trags über die Nicht­ver­brei­tung von Kern­waf­fen (NPT-Ver­trag) vom 1. Juli 1968 und hat sich in Arti­kel 2 ver­pflich­tet, die Ver­fü­gungs­ge­walt über Kern­waf­fen »von nie­man­dem unmit­tel­bar oder mit­tel­bar anzu­neh­men«. Doch die in Büchel sta­tio­nier­ten Atom­waf­fen sol­len auch noch »moder­ni­siert«, das heißt, für einen rea­len Ein­satz taug­li­cher gemacht werden.

Seit drei Jah­ren kommt es dage­gen ver­mehrt zu gewalt­frei­en Betre­tungs­ak­tio­nen durch Men­schen, die auch eine gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung in Kauf neh­men. Ihr Ziel ist es, den Abzug der Atom­waf­fen aus Deutsch­land und das Ver­bot von Atom­waf­fen durch­zu­set­zen. Zuletzt war im März eine jun­ge Frau von June­pA (Jugend­netz­werk für poli­ti­sche Aktio­nen) wegen einer ähn­li­chen Akti­on im Som­mer 2016 sie­ben Tage in der JVA Hil­des­heim inhaftiert.

Seit den mas­si­ven Aktio­nen der Frie­dens­kämp­fer im ver­gan­ge­nen Som­mer hat die Bun­des­wehr das gesam­te Gelän­de, das bis­her durch einen blo­ßen Maschen­draht­zaun gesi­chert ist, mit einem Bau­zaun umge­ben, um im Inne­ren einen neu­en, mas­si­ve­ren Zaun zu errich­ten. Ein Teil der Grup­pe, fünf Per­so­nen, ver­an­stal­te­te im schma­len Raum zwi­schen den bei­den Zäu­nen ein »anti­mi­li­ta­ri­sti­sches Pick­nick«, um auf fröh­li­che Wei­se das Gelän­de zu bele­ben und zu zivi­li­sie­ren. Durch eine Mul­de im Boden, die sie unter den Augen der bald her­bei­ge­kom­me­nen Sol­da­ten unter den Zaun gru­ben, ver­schaff­ten sie sich Zutritt, ohne den Zaun zu beschä­di­gen. Die Sol­da­ten waren lan­ge völ­lig hilf­los und konn­ten nur rum­schrei­en, da der Maschen­draht­zaun und die dahin­ter ange­brach­te Rol­le Sta­chel­draht sie von dem Pick­nick trenn­te. Die Poli­zei dage­gen, die nach etwa einer Stun­de ein­traf, war­te­te ein­fach ab. Erst nach drei Stun­den dran­gen Sol­da­ten zu der Pick­nick­grup­pe durch, pikan­ter­wei­se über die Lücke, die der zwei­te Grup­pen­teil in etwa andert­halb Kilo­me­tern Ent­fer­nung inzwi­schen durch den Zaun geschnit­ten hat­te, eben­falls im Ange­sicht von Soldat*innen, von denen eine sogar mit dem Ein­satz der Schuss­waf­fe droh­te. Nach dem Zer­schnei­den des Sta­chel­draht­zauns waren die Aktivist*innen aller­dings von den Soldat*innen dar­an gehin­dert wor­den wei­ter­zu­ge­hen. Erst nach drei Stun­den war die Akti­on zu Ende, so lan­ge konn­te kein Flug­zeug star­ten. Alle sieb­zehn erwar­ten nun Anzei­gen und Geld­stra­fen oder Prozesse.

Nur weni­ge Tage zuvor waren auf einer Kon­fe­renz in Koblenz die wich­tig­sten Daten für die Büchel-Aktio­nen die­ses Som­mers fest­ge­legt wor­den. Sie begin­nen am 1. Juli mit der Eröff­nung des Frie­dens­camps in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Flie­ger­horst und umfas­sen Pro­test­ak­tio­nen der IPPNW sowie deut­scher und inter­na­tio­na­ler Grup­pen, Thea­ter, Musik, Kunst und Work­shops sowie Got­tes­dien­ste, unter ande­rem mit Mar­got Käß­mann. Nähe­re Anga­ben auf der Sei­te www.atomwaffenfrei.de/.

Spen­den­kon­to für die zu erwar­ten­den Kosten: Uwe Lutz-Schol­ten, IBANDE64 5235 0005 0000 7696 87, Spar­kas­se Wal­deck-Fran­ken­berg. Ver­wen­dungs­zweck: Büchel17. Der Aache­ner Frie­dens­preis 2019 geht an die Kam­pa­gne »Büchel ist über­all! atomwaffenfrei.jetzt« und den »Initia­tiv­kreis gegen Atom­waf­fen«. – Die Ossietzky-Redak­ti­on gratuliert!