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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Familien und Gewalt

Kind­heit in einer säch­si­schen Klein­stadt der 80er Jah­re. Ruth ist die Toch­ter eines Pfar­rers, Vik­tors Vater ist NVA-Offi­zier. Es wer­den Epi­so­den aus dem Fami­li­en­le­ben erin­nert, und schein­bar ist die­ser All­tag nicht son­der­lich spek­ta­ku­lär: Die Eltern sind beschäf­tigt, strei­ten sich, wie es die Nach­barn auch tun. Und doch: Hier geht es um mehr als nor­ma­le Fami­li­en­tri­stesse und Vor­wen­de­at­mo­sphä­re – den Kin­dern wird von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen sexu­el­le Gewalt ange­tan, und alle schwei­gen. Die­ses Schwei­gen und Ver­drän­gen ist genau­so The­ma des Romans wie die Gewalt, die weder allein an Zeit noch Ort gebun­den ist, wie es ein wei­te­rer Hand­lungs­strang in Frank­reich bezeugt.

Ulri­ke Almut San­dig (gebo­ren 1979 in Gro­ßenhain), bis­her als Lyri­ke­rin bekannt, arbei­tet viel mit Andeu­tun­gen, ver­steht es aber auch, genau und sach­lich zu sein. Das Gan­ze kann man als Ver­such ver­ste­hen, die Erfah­run­gen ihrer Genera­ti­on fest­zu­hal­ten oder aber Gewalt­er­fah­rung lite­ra­risch zu the­ma­ti­sie­ren. Gleich­zei­tig gibt es einen öko­lo­gi­schen Hin­ter­grund: Die Hel­den leben im Braun­koh­le­ab­bau­ge­biet. Ein biss­chen viel auf einmal.

Ulri­ke Almut San­dig: »Mon­ster wie wir«, Schöff­ling & Co, 232 Sei­ten, 22 €