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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Fünfte Verlängerung

Der Pro­test begann Mit­te Mai in dem fein­sten und reich­sten Vier­tel von Madrid, in Sala­man­ca, benannt nach José de Sala­man­ca y Mayol. Der Mar­quis, er leb­te von 1811 bis 1883, war Finanz­mi­ni­ster von Spa­ni­en und spä­ter Bür­ger­mei­ster von Madrid. Der Pro­test beginnt all­abend­lich mit Topf­schla­gen und Rufen wie »Frei­heit!« und »Sán­chez, tritt zurück!« Für die Poli­cía Nacio­nal besteht kein Grund ein­zu­grei­fen. Die katho­lisch-kon­ser­va­ti­ve Tages­zei­tung ABC bezeich­net die Pro­te­stie­ren­den als »Rebel­len von Sala­man­ca«, die sich gegen die restrik­ti­ven Anord­nun­gen zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­de­mie der Links­ko­ali­ti­on von Mini­ster­prä­si­dent Pedro Sán­chez weh­ren. Im Sala­man­ca-Vier­tel ertönt viel­stim­mig »Wir wol­len kei­ne Dik­ta­tur!« und »Viva Espa­ña!«, das TVE1 über­trägt in sei­ner Nach­rich­ten­sen­dung täg­lich live nach 21 Uhr.

Die pro­fa­schi­sti­sche VOX-Par­tei ist vom »Sala­man­ca-Pro­test« begei­stert und schreibt in den sozia­len Medi­en: »Die Spa­ni­er erhe­ben sich gegen die Big-Bro­ther-Regie­rung der Arbeits­lo­sig­keit und des Elends.« Nur so weit ist es nicht, auch wenn der Pro­test nun auch in Bar­ce­lo­na ange­kom­men ist. Trotz der Pro­te­ste ver­län­gert das Par­la­ment am 20. Mai zum fünf­ten Mal den Aus­nah­me­zu­stand – jetzt bis zum 7. Juni. Für eine Ver­län­ge­rung bis zum 24. Juni fand Mini­ster­prä­si­dent Sán­chez kei­ne Mehr­heit. Noch am Mor­gen des 20. Mai war es unklar, ob es über­haupt eine Ver­län­ge­rung geben wür­de. Es stand fest, dass Parti­do Popu­lar und VOX mit Nein stim­men wür­den. Sichern konn­te sich Sán­chez schließ­lich eine Mehr­heit von 176 Ja-Stim­men: von PSOE, Uni­das Pode­mos, Ciu­da­da­nos und Parti­do Nacio­na­li­sta Vasco (PNV). Elf Abge­ord­ne­te ent­hiel­ten sich der Stim­me, 162 lehn­ten eine Ver­län­ge­rung ab. Par­tei­po­li­tisch spie­len aber ver­schie­de­ne Din­ge eine Rol­le, so auch Fra­gen im Zusam­men­hang mit Katalonien.

Das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung zur Koali­ti­on von Pedro Sán­chez sinkt der­weil aller­dings. Laut einer Umfra­ge des staat­li­chen Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts CIS ste­hen nur noch 46 Pro­zent der Spa­ni­er hin­ter der Koali­ti­on. Für eine Fort­set­zung der Coro­na-Ein­schrän­kun­gen sind jedoch immer­hin 60 Pro­zent der Befragten.

Seit dem 21. Mai ist es in Spa­ni­en Pflicht, dass alle über sechs Jah­re alten Bür­ger außer­halb der eige­nen vier Wän­de eine Mas­ke tragen.