Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Nass in Ningbo

Smo­ke on the water: Selbst in der Hafen­stadt Ning­bo trüb­te Smog die Sicht, als die Maschi­ne aus Bei­jing lan­de­te. Es hieß, der Wind wehe aus West, also ablan­dig, kei­ne fri­sche Luft von See in Sicht. Am näch­sten Mor­gen jedoch war der Blick aus der 17. Eta­ge frei. Aber was heißt frei? Er reich­te nur bis zu den näch­sten Hoch­hau­stür­men. Laut Sta­ti­stik sei in Chi­na allein zwi­schen 2011 und 2013 mehr Beton ver­baut wor­den als in den USA im gesam­ten ver­flos­se­nen Jahr­hun­dert. Das war nicht zu übersehen.

Nicht nur beim Blick aus dem Hotelfenster.

Die Stra­ßen durch­schnit­ten die Luft in meh­re­ren Ebe­nen. Sel­ten waren sie weni­ger als drei Auto­spu­ren breit. Dane­ben, abge­trennt durch Plan­ken, lie­fen oft wei­te­re zwei schma­le Strei­fen für Motor­rol­ler und Fahr­rä­der. Doch nicht die vie­len Fahr­zeu­ge sorg­ten für die schlech­te Luft. Das taten die vie­len Indu­strie­be­trie­be. Irgend­wo müs­sen die Leu­te ja arbei­ten. Ning­bo zählt fast dop­pelt so vie­le Ein­woh­ner wie Ber­lin. Inzwi­schen haben die Chi­ne­sen jedoch gelernt und sind auch im Umwelt­schutz zum Vor­rei­ter gewor­den. Müll­ei­mer am Weges­rand gab es nur im Dop­pel­pack – links Recy­c­le­ba­res, rechts Abfall. Und die Muse­ums- und Aus­stel­lungs­hal­len, die ich spä­ter neu­gie­rig durch­eil­te, ver­füg­ten zwar über Gar­de­ro­ben, aber ver­nünf­ti­ger schien es, die Jacke anzu­be­hal­ten. Nicht nur aus Kosten­grün­den wur­de hier weni­ger geheizt. Zur Erd­er­wär­mung trägt bekannt­lich auch die Erwär­mung der Erde bei.

Der Anlass für die Visi­te war ein inter­na­tio­na­les Forum unter dem Titel »The Chi­ne­se Path and Com­mu­ni­ty of Shared Future for Man­kind«, was man viel­leicht mit »Der chi­ne­si­sche Weg und die gemein­sa­me Zukunft der Mensch­heit« über­set­zen kann. Ver­schie­de­ne gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­che For­schungs­ein­rich­tun­gen der Uni­ver­si­tät Ning­bo hat­ten Ver­tre­ter von drei Kon­ti­nen­ten ein­ge­la­den, ihre Sicht auf die Welt und auf Chi­na mit­zu­tei­len. Die Ver­an­stal­ter baten mich als den ein­zi­gen Ver­tre­ter aus dem Mut­ter­land von Marx, etwas über den Unter­gang des Sozia­lis­mus in Euro­pa zu sagen. In die­ser Auf­for­de­rung schwang der Wunsch mit, zu erfah­ren, wor­an es denn gele­gen habe, wohl um nicht die glei­chen Feh­ler zu bege­hen. Mir schien, dass sie der­lei Hin­wei­se nicht nötig hat­ten, weil die Chi­ne­sen den ent­schei­den­den Irr­tum – dank Deng – schon lan­ge kor­ri­giert haben: nicht nur über die Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät zu reden, son­dern sie tat­säch­lich zu orga­ni­sie­ren. Das A und O ist nun mal die Ökonomie.

Die Vor­trä­ge und Dis­kus­sio­nen waren höchst anre­gend und kon­struk­tiv. Sie sol­len und kön­nen hier nicht repe­tiert wer­den, nur so viel: Das von den inter­na­tio­na­len wie auch den chi­ne­si­schen Teil­neh­mern gezeich­ne­te Bild wich erheb­lich ab von den Dar­stel­lun­gen der Volks­re­pu­blik, die bei­spiels­wei­se in den hie­si­gen, also in den deut­schen Medi­en ver­brei­tet wer­den. Viel­leicht lag es dar­an, dass die Dis­ku­tan­ten wuss­ten, wor­über sie rede­ten, und hin­läng­lich dafür qua­li­fi­ziert waren. Das unter­schied sie erkenn­bar von den mei­sten Jour­na­li­sten, die sich über Chi­na ver­brei­ten. (Tage spä­ter, wie­der in Bei­jing, begeg­ne­te mir ein deut­scher Ethik-Pro­fes­sor, der in Chi­na liest und das Land kennt. Er ver­moch­te sei­nen Unmut über die Bericht­erstat­tung ins­be­son­de­re über Hong­kong kaum zu zügeln. Er kam näm­lich gera­de von dort. Die Hal­tung der mei­sten Jour­na­li­sten sei her­ab­las­send, ideo­lo­gi­siert und zudem von Unwis­sen bestimmt, empör­te er sich. Ran­da­lie­rer wür­den zu Rebel­len ver­klärt, die angeb­lich für Frei­heit und Demo­kra­tie demon­strier­ten. Die tat­säch­li­chen sozia­len und poli­ti­schen Grün­de blie­ben uner­wähnt, weil igno­riert oder uner­kannt. Oder, und das hal­te er für wahr­schein­lich: Die Bericht­erstat­ter bedien­ten, frei­wil­lig oder genö­tigt, eine ziem­lich ein­sei­ti­ge Erwar­tungs­hal­tung ihres Arbeitgebers.)

Am Vor­abend der Kon­fe­renz gab es eine indi­vi­du­el­le Besich­ti­gung der Alt­stadt. Und obgleich es aus Kan­nen goss, hielt die Betreue­rin, die mich und mei­nen chi­ne­si­schen Freund beglei­te­te, unge­rührt an dem Pro­gramm­punkt fest. Das, so flü­ster­te mir mein Freund ins Ohr, sei eine typisch chi­ne­si­sche Eigen­schaft: man­geln­de Flexibilität.

Er mei­ne das gewiss iro­nisch, ent­geg­ne­te ich, sei­ne Lands­leu­te bewie­sen doch seit Jah­ren eine erstaun­li­che Fle­xi­bi­li­tät beim Umgang mit den glo­ba­len Ver­än­de­run­gen. Dabei sei nicht min­der hilf­reich das stoi­sche Fest­hal­ten an poli­ti­schen Prin­zi­pi­en in einer chao­ti­schen Welt, sie sorg­ten für Bere­chen­bar­keit und Verlässlichkeit.

Auf der gro­ßen Büh­ne mag das wohl so sein, sag­te er und schau­te auf sein Bein­kleid. Auch mei­ne Hose war, trotz Regen­schirm, schon bis zu den Knien durch­nässt. Doch nein, wir setz­ten unse­ren Weg gemäß dem Wun­sche unse­rer Füh­re­rin fort, nach­dem wir die Ling-Brücke pas­siert hat­ten. Die hei­ße bei den Anwoh­nern nur Sie­mens-Brücke, weil sie in den spä­ten drei­ßi­ger Jah­ren von eben jener Sie­mens AG errich­tet wor­den und die ein­zi­ge Drei­ge­lenk-Stahl­bo­gen­brücke in ganz Chi­na sei, erklär­te sie. Die Brücke ste­he nicht nur unter Denk­mal­schutz, son­dern über sie füh­re seit mehr als sieb­zig Jah­ren die ver­kehrs­reich­ste Stra­ße der Stadt. Nach meh­re­ren Schiffs­kol­li­sio­nen, extre­mem Ver­schleiß und nagen­dem Rost hät­ten die deut­schen Eigen­tü­mer (!) bei ihren regel­mä­ßig vor­ge­nom­me­nen Prü­fun­gen nach sieb­zig Jah­ren die Sper­rung ver­fügt. Doch seit 2014 sanie­re die Stadt bei lau­fen­dem Betrieb, um die ver­kehrs­tech­ni­sche und kul­tu­rel­le Funk­ti­on der Brücke zu erhalten.

Wir flüch­te­ten uns in die katho­li­sche Kathe­dra­le am Ufer des Yong­jiang, da war es wenig­stens trocken. Gera­de fand die Abend­mes­se statt. Das unge­wöhn­lich schmuck­lo­se und ganz in Weiß gefass­te Got­tes­haus war bis auf den letz­ten Platz besetzt. Der Grund der auf­fäl­li­gen Schlicht­heit: Vor fünf Jah­ren brann­te das Wahr­zei­chen der Stadt von 1713 aus bis­her unge­klär­ten Grün­den aus wie Not­re Dame in Paris.

Eine freund­li­che See­le regi­strier­te unse­re neu­gie­ri­gen Blicke und bot Auf­klä­rung an. Ja, die­ses Got­tes­haus sei eine der älte­sten katho­li­schen Kir­chen Chi­nas, zur Gemein­de zähl­ten an die fünf­tau­send Chri­sten, die hie­si­ge evan­ge­li­sche Gemein­de sei jedoch erheb­lich grö­ßer. Und in ganz Chi­na? Sie hob die Hand­flä­chen gen Him­mel. Viel­leicht über fünf­zig Mil­lio­nen, man­che mei­nen auch hun­dert Mil­lio­nen Chri­sten bei­der Großkirchen.

Hin­ter ihrem Rücken war­fen die vier jugend­li­chen Mini­stran­ten nach geta­ner Arbeit ihre grün-wei­ßen Tala­re von sich, wäh­rend der Prie­ster vorn am Altar in der Lit­ur­gie fort­fuhr. Sein Text lief auch auf einem Dut­zend Rie­sen­mo­ni­to­ren, die die Säu­len zierten.

Drau­ßen plad­der­te es noch immer. Statt in die Alt­stadt-Gas­se (»Nantang Old Street«), die gleich neben der Kir­che ihren Aus­gang nahm und wie die Krä­mer­brücke in Erfurt aus­schau­te, bogen wir nach rechts zum Fluss. Unter der Brücke trom­mel­te und sang eine drei­köp­fi­ge Band, umrun­det von weni­gen jun­gen Leu­ten. Unse­re Beglei­te­rin beeil­te sich zu ver­si­chern, dass hier immer Stra­ßen­kon­zer­te statt­fän­den, aller­dings sei der Zuspruch erheb­lich grö­ßer, wenn es nicht reg­ne­te. Das glaub­ten wir unbesehen …

Am der Kon­fe­renz fol­gen­den Tage fuhr man uns aus­wär­ti­ge Gäste an ver­schie­de­ne Plät­ze, die gewis­ser­ma­ßen mit dem Inhalt der Tagung kor­re­spon­dier­ten. Da war zunächst das Ning­bobang-Muse­um, ein archi­tek­to­nisch inter­es­san­ter Neu­bau, den die Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne der Stadt hat­ten errich­ten las­sen. Ihre Bron­ze-Büsten waren im Foy­er auf­ge­reiht – neben einem Mar­mor­block am Ein­gang, in den ein Appell von Deng gemei­ßelt war. »Mobi­li­ze all the Ning­bobang in the world for the moder­niz­a­ti­on dri­ve of Ning­bo«, stand dort in gol­de­nen Let­tern und chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen, was sinn­ge­mäß so viel hieß, dass es den gan­zen Geschäfts­sinn der Welt für den Ent­wick­lungs­schwung in Ning­bo zu nut­zen gel­te. In den ein­zel­nen Abtei­lun­gen und auf ver­schie­de­nen Ebe­nen war die Wirt­schafts- und Kul­tur­ge­schich­te der Stadt anschau­lich dar­ge­stellt, muse­ums­tech­nisch sehr ori­gi­nell und erstaun­lich unideo­lo­gisch – sieht man mal von dem Rolls Roy­ce ab, den Deng einem füh­ren­den Lokal­po­li­ti­ker zum Geschenk gemacht hat­te und der von wei­te­ren nament­lich auf­ge­führ­ten Kom­mu­nal- und Par­tei­po­li­ti­kern gefah­ren wor­den ist. (»This car recor­ded many histo­ric moments.«)

Der Ver­gan­gen­heit schloss sich die öko­no­mi­sche Gegen­wart an. Der Bus fuhr uns ans Meer, wo sich die Con­tai­ner bis zum Hori­zont sta­pel­ten. In der Hit­pa­ra­de der welt­weit größ­ten ran­giert die­ser Hafen auf Platz sechs. Die Liste führt der Con­tai­ner­ha­fen von Shang­hai an, kei­ne hun­dert Kilo­me­ter von hier und über die läng­ste See­brücke der Welt (fast 37 Kilo­me­ter quer über die Hang­zhou-Bucht) zu errei­chen. Wo man stand und fuhr: Super­la­ti­ve ohne Ende, die sich einem glei­cher­ma­ßen unauf­ge­regt wie bei­läu­fig ins Blick­feld dräng­ten. Von hier aus gin­gen also die Metall­kä­sten mit in Ning­bo und an ande­ren Orten pro­du­zier­ten Indu­strie­gü­tern in alle Welt.

Einen Betrieb, wo das Fracht­gut her­kam, besich­tig­ten wir anschließend.

Er befand sich in einem Indu­strie­ge­biet am Ran­de der Stadt und gehör­te gewiss nicht zu den Umwelt­ver­schmut­zern. Kein Schorn­stein weit und breit auf dem Pro­duk­ti­ons­ge­län­de, das sich über rund zwan­zig Fuß­ball­fel­der erstreck­te. Das Fir­men­lo­go erin­ner­te an das SED-Abzei­chen, und der eher unchi­ne­si­sche Name Ami­co deu­te­te auf einen Glo­bal­play­er. Unter den Abneh­mern von Bade­zim­mer­ar­ma­tu­ren und Indu­strie­ven­ti­len befan­den sich, wie wir hör­ten, auch etli­che deut­sche mit bekann­tem Namen. Welt­weit habe das Unter­neh­men mehr als 1300 Kun­den, was selbst für Chi­na einen Spit­zen­wert darstelle.

Beim Rund­gang begeg­ne­ten uns nur weni­ge Men­schen. Sie ach­te­ten dar­auf, dass den Robo­tern nicht der Nach­schub aus­ging oder die­se den Geist auf­ga­ben. Arbeit ohne Arbei­ter­klas­se. Wor­auf, so frag­te ich, stüt­ze sich die Par­tei? Von deren Prä­senz kün­de­ten ver­mut­lich die wei­ßen Schrift­zei­chen auf rotem Tuch, wel­che da und dort in den blitz­saube­ren, aber lau­ten Pro­duk­ti­ons­hal­len zu sehen waren.

Das Pri­vat­un­ter­neh­men beschäf­ti­ge neun­hun­dert Mit­ar­bei­ter, fast jeder vier­te habe einen Hoch­schul­ab­schluss, sag­te man uns. Oben, in der ersten Eta­ge, wo die Lei­ter und Buch­hal­ter hin­ter gro­ßen Schei­ben tätig waren, befand sich neben dem Raum mit der Tisch­ten­nis­plat­te auch einer, der offen­sicht­lich vor­ran­gig von den Genos­sen genutzt wur­de. Zumin­dest deu­te­te die ver­mehr­te Zahl an Fah­nen und ande­ren poli­tisch kon­no­tier­ten Devo­tio­na­li­en dar­auf hin.

Nach dem inso­fern bemer­kens­wer­ten Rund­gang, als an kei­ner Stel­le irgend­je­mand Ein­spruch erhob, weil die Nasen zu neu­gie­rig und zu tief in die mehr­heit­lich aus Euro­pa stam­men­den Werk­zeug­ma­schi­nen gesteckt wur­den, schüt­tel­te eine jun­ge Chi­ne­sin die wesent­li­chen Betriebs­in­for­ma­tio­nen auf Eng­lisch aus dem Ärmel. Sie nann­te die Pro­duk­ti­ons­zah­len, die seit Fir­men­grün­dung in den neun­zi­ger Jah­ren nur eine Ent­wick­lungs­rich­tung kann­ten. Im Jahr 2030 wol­le man drei Mil­li­ar­den Ren­min­bi oder Yuan Umsatz machen, was 300 Mil­lio­nen Gewinn für das Unter­neh­men hei­ße … Jede Sil­be strotz­te vor Selbst­be­wusst­sein, kein Anflug von Zwei­fel, die­ses mit­tel­fri­sti­ge Ziel zu erreichen.

Nach Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart war­fen wir einen Blick in die Zukunft der Stadt. Die­se zeig­te sich in einem futu­ri­sti­schen Bau, den ein Ber­li­ner und ein Münch­ner Archi­tek­tur­bü­ro, play­ze und Schmidt­hu­ber, als Wett­be­werbs­sie­ger ent­wor­fen hat­ten. Das Aus­stel­lungs­ge­bäu­de wuchs in die grü­ne Umge­bung hin­ein und erhob sich über meh­re­re Eta­gen, die man von außen aller­dings kaum wahr­nahm. Außen wie innen wan­den sich Schrä­gen hin­auf und hin­ab, nir­gends eine gera­de Kan­te, alles floss inein­an­der. In der Fas­sa­de aus gla­sier­ten Kera­mik­pa­nee­len – Ning­bo blickt auf eine jahr­hun­der­te­lan­ge Töpf­erei­ge­schich­te zurück – spie­gel­ten sich die umlie­gen­den Was­ser. Geschickt wur­den Tra­di­ti­on und Moder­ne mit­ein­an­der ver­wo­ben, viel Geld und reich­lich Geist kre­ierten einen fan­ta­sti­schen Bau. Unschul­dig weiß im Innern, ein­zi­ger und bestim­men­der Farb­tup­fer im Atri­um die rote Fah­ne mit den fünf Sternen.

In den Räu­men demon­strier­te man, was digi­ta­le Tech­nik inzwi­schen zu lei­sten fähig ist und noch lei­sten wird. Und: Ein Stadt­mo­dell mit Hoch­häu­sern vorm Fen­ster, hin­ter dem die rea­le Stadt bereits in die Höhe gewach­sen war. Drin­nen und drau­ßen, Zukunft und Gegen­wart. Die Stadt­ge­schich­te wur­de ver­le­ben­digt in unter­schied­li­chen Instal­la­tio­nen und Video­pro­jek­tio­nen, es flim­mer­te, säu­sel­te, rat­ter­te, don­ner­te, vir­tu­el­le Was­ser­fäl­le rausch­ten hin­ab und Düsen­jets stie­gen hin­auf. Aber das alles dosiert und nahe­zu unauf­dring­lich, nichts erin­ner­te an einen lär­men­den Rum­mel oder eine krei­schen­de Spiel­hal­le. Die per­spek­ti­vi­schen Pro­jek­tio­nen waren zudem von einer Zuver­sicht und einem Opti­mis­mus durch­drun­gen, dass es uns als natur­ge­mäß grüb­le­ri­sche und zwei­feln­de Euro­pä­er den Atem ver­schlug. Die Furcht vor der Zukunft, die uns alle mehr oder min­der beherrscht, scheint den Chi­ne­sen fremd. Sie zeich­nen das Bild einer grü­nen und gerech­ten, har­mo­ni­schen Welt. Wenig Illu­si­on, viel Zuver­sicht und die feste Über­zeu­gung, dass die Mensch­heit dahin kom­men werde.

Am Ende wäre ich fast noch unter die Räder der Zukunft gekom­men. Unter­wegs auf dem Cam­pus zum Essen in der Men­sa beglei­te­te uns nur der Gesang der Vögel. Bis es hin­ter mir laut hup­te und Rei­fen quietsch­ten. Alle Fahr­zeu­ge ver­kehr­ten laut­los elek­trisch. Man hör­te sie ein­fach nicht. Die stil­le Stadt, die jedoch nie­mals schläft …

Ein Traum. In Ning­bo zumin­dest punk­tu­ell bereits Wirklichkeit.