Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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SPD? Stolz auf Scholz

Also sprach der Erwähl­te am letz­ten Sonn­tag kurz vor zwölf im Inter­view der Woche unse­res Deutsch­land­funks: »Die SPD will auch gemein­schaft­lich über­all in Deutsch­land und über alle poli­ti­schen Grup­pen, die zu einer leben­di­gen Par­tei dazu­ge­hö­ren, dass ich der näch­ste Kanz­ler wer­de, und zwar als die Per­son, die ich bin, als Olaf Scholz, den die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in die­sem Land gut ken­nen.« Amen.

Die SPD ist – was bleibt ihr übrig – zu allem fähig. Aber ja, Olaf Scholz darf ein Kanz­ler der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wer­den – Vize­kanz­ler unter Kanz­ler Fried­rich Black­Rock Merz oder unter der Kanz­le­rin Brun­hild Anna­le­na Baer­bock, die am letz­ten Tag des trau­ri­gen Monats Novem­ber in der Süd­deut­schen ihr grü­nes Regie­rungs­pro­gramm ver­öf­fent­lich­te: »Mehr inve­stie­ren, damit Geweh­re schie­ßen und Nacht­sicht­ge­rä­te funktionieren.«

Vor­aus­ge­setzt: Schwarz und Grün machen es nicht unter sich aus, dann hat Olaf Scholz als die Per­son, die er ist, wie­der die­se ech­te Chance.

Das bestä­tig­ten am Tag vor dem Ver­kün­di­gungs­in­ter­view im Spie­gel die bei­den SPD-Vor­sit­zen­den Sas­kia Esken und Nor­bert Wal­ter-Bor­jans, die Scholz vor einem Jahr im erbit­ter­ten Kampf um die Füh­rung der SPD besieg­ten – und den Ver­lie­rer zu ihrem Kanz­ler­kan­di­da­ten mach­ten. Sas­kia Esken, die noch im März ver­spro­chen hat­te: »Kei­ne gro­ße Koali­ti­on mehr«, zeig­te vor dem Spie­gel auf­rich­ti­ge Reue: »Koali­tio­nen aus­zu­schlie­ßen kann einem auf die Füße fallen.«

Und die Per­son, die Olaf Scholz ist, ver­sprach tags drauf im Deutsch­land­funk, höhe­re Ein­kom­men­steu­er für Mil­lio­nä­re und Ver­mö­gen­steu­er für Mil­li­ar­dä­re zugun­sten der Gering­ver­die­ner. Wun­der­bar. Wenn da nicht das von der Staats­an­walt­schaft beschlag­nahm­te Tage­buch des super­rei­chen Inha­bers und ehe­ma­li­gen Chefs der Ham­bur­ger War­burg Bank Chri­sti­an Ole­a­ri­us wäre. Das über­führ­te die sich vor dem Par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss auf das Steu­er­ge­heim­nis beru­fen­de Per­son, die Scholz ist, dass sie sich als Ham­bur­ger Bür­ger­mei­ster, der sie auch war, mit dem Ban­kier Chri­sti­an Ole­a­ri­us mehr­fach dis­kret getrof­fen hat­te. Und danach wur­de dem Ban­kier die For­de­rung erlas­sen, 47 Mil­lio­nen für betrü­ge­ri­sche Cum-Ex-Geschäf­te zurück­zu­zah­len. Dazu wird den Kanz­ler­kan­di­da­ten, der er ist, vie­le Tage der Unter­su­chungs­aus­schuss zum Wire­less-Skan­dal beschäf­ti­gen, der pein­lichst prüft, ob der Finanz­mi­ni­ster, der Scholz noch ist, es nicht all­zu leicht mit sei­nen Auf­sichts­pflich­ten nahm – vie­le Mil­li­ar­den sind verschwunden.

»Das heißt«, frag­te am Sonn­tag der Deutsch­land­funk doch etwas ungläu­big: »Aus Ihrem Emp­fin­den passt zwi­schen die Par­tei und Sie kein Blatt?« Der Befrag­te kann­te kei­ner­lei Mör­der­gru­be: »Ich bin seit mei­nem 17. Lebens­jahr Sozi­al­de­mo­krat. Ich bin es von gan­zem Her­zen. Dass ich viel Regie­rungs­er­fah­rung habe, dass ich dafür bin, dass die Wirt­schaft läuft, ändert ja nichts dar­an, dass ich mit vol­ler Absicht die­ser Par­tei bei­getre­ten bin und das immer noch bin.«

Und so erhe­ben sich alle Sozi­al­de­mo­kra­ten die­ser Repu­blik und beken­nen mit der Nach­fol­ge­rin von Kevin Küh­nert, der gera­de frisch­ge­wähl­ten Juso-Vor­sit­zen­den Jes­si­ca Rosen­thal: »Olaf Scholz hat jetzt in der Kri­se auch schon wahn­sin­nig viel inve­stiert. Wir als Jusos sagen, das ist genau der rich­ti­ge Schritt. Wir sind froh und stolz darauf.«