Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Walter Kaufmanns Lektüre

Vol­ker Wei­der­mann ist geübt dar­in, er kann es, hat wie­der­holt gezeigt, dass er ein Schrift­stel­ler­le­ben bild­haft in kla­rem, schö­nem Deutsch zu umrei­ßen ver­steht. Nichts scheint zu feh­len, sie sind da, die Schrei­ben­den, man sieht sie, ver­steht sie. Das Duell, die Jahr­zehn­te wäh­ren­de Feh­de Reich-Ranicki/­Grass, lie­fer­te ihm den Stoff für ein Buch über die zwei Lite­ra­ten, ein kurz­wei­li­ges Drei­hun­dert-Sei­ten-Buch, zügig und mit Genuss zu lesen. Was man nicht alles erfährt über den pol­ni­schen Juden Mar­cel Reich, der die Sho­ah über­leb­te und als MRR zum berühmt-gefürch­te­ten Kri­ti­ker im deut­schen Hier und Heu­te auf­stieg; und wie nah uns auch der schließ­lich zum Nobel­preis erko­re­ne Gün­ter Grass rückt – Vol­ker Wei­der­mann hat das Gegen­ein­an­der der bei­den genutzt, um sie wie mit Koh­le auf wei­ßem Grund sicht­bar zu machen. Man sieht sie, hört sie, erlebt, wie sie zwi­schen­zeit­lich Abstand von­ein­an­der neh­men (mona­te­lang ent­zieht sich Grass der Kri­tik nach Kal­kut­ta), und doch kön­nen am Ende die bei­den nicht von­ein­an­der las­sen, blei­ben in einer Art feind­li­cher Freund­schaft zusam­men­ge­schweißt; in Hoch­ach­tung vor der Lei­stung des jeweils ande­ren strecken sie die Waf­fen: eben­bür­ti­ge Wider­sa­cher – der Jude MRR, der die deut­sche Lite­ra­tur liebt und kein Deut­scher sein will, und der wort­ge­wal­ti­ge GG, den Kind­heits­er­fah­run­gen, die Erfah­run­gen der Jugend und die Erfah­run­gen als Mann (auch die eines SS-Sol­da­ten) zu einem Deut­schen unse­rer Zeit geprägt haben. Vol­ker Wei­der­manns »Das Duell« ist ein groß­ar­ti­ges Buch.

Vol­ker Wei­der­mann: »Das Duell«, Kie­pen­heu­er & Witsch, 310 Sei­ten, 22 €