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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Streit in Katalonien

Die für die Unab­hän­gig­keit Kata­lo­ni­ens ein­tre­ten­den Par­tei­en bezie­hungs­wei­se Bünd­nis­se Jun­ts per Catalu­nya (JxCat), Esquer­ra Repu­bli­ca­na de Catalu­nya (ERC) und Can­di­da­tu­ra d’Unitat Popu­lar (CUP) sind in der Fra­ge der Ver­tei­di­gung der Rech­te ihres Regio­nal­prä­si­den­ten Quim Tor­ra gespal­ten. Es ist ein Streit der Repu­bli­ka­ni­schen Lin­ken (ERC) auf der einen Sei­te und der soge­nann­ten Zen­trums­frak­ti­on des exi­lier­ten Ex-Regie­rungs­chefs und heu­ti­gen EU-Par­la­men­ta­ri­ers Carles Puig­de­mont und der lin­ken CUP auf der ande­ren Sei­te. Quim Tor­ra kün­dig­te daher am 29. Janu­ar an, dass er nach Ver­ab­schie­dung des Haus­halts Neu­wah­len anset­zen wer­de. Der Regie­rungs­chef sprach von einem zer­rüt­te­ten Ver­trau­ens­ver­hält­nis. Wört­lich: »Die­ses Par­la­ment hat kei­ne Zukunft mehr.«

Einen Tag zuvor, am 28. Janu­ar, hat­te der kata­la­ni­sche Par­la­ments­prä­si­dent Roger Tor­rent (ERC) der Anord­nung des spa­ni­schen Natio­na­len Wahl­rats (Jun­ta Elec­to­ral Cen­tral), Tor­ra sei­nen Par­la­ments­sitz abzu­er­ken­nen, nach­ge­ge­ben. Dabei hat­te das Ver­fas­sungs­ge­richt bereits die Staats­an­walt­schaft ange­wie­sen, auch gegen Tor­rent zu ermit­teln, wur­de aber nicht tätig.

Tor­rent und die ERC stört es offen­bar nicht, dass es sich hier um eine ille­ga­le Ein­mi­schung der Jun­ta Elec­to­ral Cen­tral (JEC) geht. Der Wahl­rat habe in die­ser Fra­ge weder Kom­pe­ten­zen, noch kön­ne er dem kata­la­ni­schen Par­la­ment etwas vor­schrei­ben, sind sich der bas­ki­sche Ver­fas­sungs­recht­ler Juan­jo Álva­rez und sein anda­lu­si­scher Kol­le­ge Javier Pérez Rayo einig, Letz­te­rer spricht von einer »Ket­te des Unfugs im JEC«.

Der von der rech­ten Part­ido Popu­lar gesteu­er­te Natio­na­le Wahl­rat war ange­tre­ten, Pedro Sán­chez von der Part­ido Socia­li­sta Obre­ro Espa­ñol (PSOE) als spa­ni­schen Mini­ster­prä­si­den­ten zu ver­hin­dern, was nicht gelang. Nun führt der Natio­na­le Wahl­rat sei­nen juri­sti­schen Feld­zug gegen die Kata­la­nen direkt. Dazu gehört auch sei­ne Anord­nung, die gel­ben Schlei­fen und Trans­pa­ren­te für die poli­ti­schen Gefan­ge­nen zu demontieren.

Die ERC lässt den höch­sten Ver­tre­ter Kata­lo­ni­ens, Quim Tor­ra, der ohne Abge­ord­ne­ten­man­dat nicht mehr Regio­nal­prä­si­dent sein kann, im Regen ste­hen. Ihr Spre­cher, Ser­gi Sab­rià, begrün­det das mit der »Ver­tei­di­gung der Insti­tu­tio­nen«. Bereits vor­her war es zum Streit zwi­schen JxCat und ERC gekom­men, weil die ERC Pedro Sán­chez, auf des­sen vage Dia­log­ver­spre­chen hin, im Janu­ar durch Stimm­ent­hal­tung zum Mini­ster­prä­si­den­ten­po­sten verhalf.

Das geplan­te Tref­fen mit Quim Tor­ra am 6. Febru­ar sag­te Pedro Sán­chez der­weil zu.